Libellen zwischen Wasser und Luft: ihre Lebensweise, ihre Transformation und meine persönlichen Begegnungen mit ihnen auf Reisen.
Ihre Farben, Muster und ihr Verhalten machen Libellen für mich zu ganz besonderen Tieren. Wenn Du Dir Zeit nimmst und sie aufmerksam beobachtest, entdeckst Du eine faszinierende Vielfalt. Gleichzeitig durchlaufen Libellen eine besondere Transformation: Ihr Leben beginnt im Wasser, bevor sie ihr Element wechseln und die Luft erobern. Mich fasziniert, wie viel sich entdecken lässt, wenn ich langsamer werde und genauer hinschaue.
Was mich an Libellen fasziniert
Libellen gehören für mich zu den Tieren, die ich unheimlich gerne beobachte. Ihre Farben, Muster und ihr Verhalten faszinieren mich. Schnelle oder hektische Bewegungen können dazu führen, dass sie davonfliegen. Deshalb braucht es bewusste Langsamkeit und Ruhe, um ihnen näherzukommen.
Auf meinen Reisen habe ich Libellen in ganz unterschiedlichen Farben, Formen und Lebensräumen fotografiert. Wenn ich ruhig werde, mir Zeit lasse, mich langsam bewege und Abstand halte, kann ich sie besonders gut beobachten und Momentaufnahmen verewigen. Diese fünf Libellen sind mir dabei begegnet:
- Orangefarbene Libelle der Art Brachythemis contaminata auf einem Grashalm in den Botanischen Gärten in Singapur fotografiert.
- Blau-rote Libelle der Art Orthetrum testaceum auf einem Ast in den Botanischen Gärten in Singapur fotografiert.
- Rote Libelle der Art Neurothemis fluctuans auf einem grünen Blatt in den Botanischen Gärten in Singapur fotografiert.
- Weinrote Libelle der Art Neurothemis fluctuans auf einem grünen Blatt im Schmetterlingspark in Kuala Lumpur, Malaysia fotografiert.
- Blaue Libelle, vermutlich Orthetrum glaucum, auf einem Stein im Sabah Tea Garden auf Borneo, Malaysia fotografiert.
Genau das liebe ich an solchen Begegnungen: Je langsamer ich werde, desto mehr entdecke ich mit all meinen Sinnen. Jede Begegnung war anders und zeigt für mich, wie vielfältig diese Tiere sind.
Was entdeckst Du, wenn Du langsamer wirst?
Steckbrief Libellen

| Tierart | Libellen |
| Wissenschaftlicher Name | Odonata |
| Tiergruppe | Insekten (Insecta) |
| Verbreitung | Über 190 Länder in Afrika, Asien, Europa, Nordamerika, Südamerika und Ozeanien. |
| Lebensraum | Vor allem an und in Süßgewässern wie Seen, Teichen, Flüssen, Bächen, Sümpfen und Mooren. |
| Klimazonen | Tropisch, subtropisch, gemäßigt bis in kalte Regionen. |
| Element | 🌊 Wasser → 💨 Luft |
| Transformation | Die Libelle verändert sich während ihrer Metamorphose vom Ei über eine im Wasser lebende Larve/Nymphe, die sich mehrfach häutet, bis zur letzten Häutung außerhalb des Wassers und schließlich zur flugfähigen erwachsenen Libelle. |
| Besonderheit | Je nach Art etwa 2–13,5 cm Körperlänge und in vielen Farben wie Blau, Grün, Rot, Gelb, Orange oder Braun. Ihre großen Facettenaugen ermöglichen einen sehr weiten Blick. Libellen sind ausgezeichnete Flieger: Sie können schnell die Richtung wechseln, rückwärts und seitwärts fliegen, in der Luft stehen und ihre vier Flügel weitgehend unabhängig bewegen. |
| Gefährdung | Je nach Art unterschiedlich. Laut International Union for Conservation of Nature (IUCN) galten 2021 rund 16 % der bewerteten Libellen- und Kleinlibellenarten weltweit als vom Aussterben bedroht. |
| Gefährdungsursachen | Zu den Gefährdungsursachen zählen vor allem der Verlust und die Veränderung von Feuchtgebieten und anderen Süßwasserlebensräumen. Je nach Region und Art kommen unter anderem Landwirtschaft, Urbanisierung, Verschmutzung und Klimawandel hinzu. |
| Gefährlich? | Für Menschen ungefährlich. Libellen sind weder giftig noch besitzen sie einen Stachel. Sie greifen Menschen nicht an. |
| Rolle im Ökosystem | Libellen fressen viele andere Insekten und sind selbst Nahrung für andere Tiere. So tragen sie dazu bei, das natürliche Gleichgewicht im Wasser und an Land zu erhalten. |
Wie transformieren sich Libellen?

Libellen durchlaufen körperlich eine unvollständige Metamorphose: Ei → Larve/Nymphe → erwachsene Libelle. Aus dem Ei schlüpft die Larve, die je nach Art mehrere Monate bis mehrere Jahre im Wasser lebt, wächst und sich mehrfach häutet. Für die letzte Häutung verlässt sie das Wasser. Die erwachsene Libelle schlüpft, entfaltet ihre Flügel und härtet aus. Als erwachsenes Tier lebt sie im Vergleich zur Larvenphase deutlich kürzer, meist einige Wochen bis wenige Monate.
Innerlich verändern sich Wahrnehmung, Fähigkeiten und Verhalten grundlegend. Die wasserlebende Larve jagt mit einer vorschnellenden Fangmaske und nimmt ihre Umgebung je nach Art unter anderem über Augen, Antennen, Beine und Körperhaare wahr. Die erwachsene Libelle orientiert sich vor allem visuell, fliegt und jagt andere Insekten in der Luft. Mit der Reifung verändern sich bei vielen Arten zusätzlich Färbung und Fortpflanzungsverhalten.
Auch das System, in dem die Libelle lebt, verändert sich: 🌊 Wasser → 🌱 Land → 💨 Luft. Als Larve ist sie Teil des Ökosystems unter Wasser. Mit dem schlüpfen verlässt sie dieses System und wird zu einem fliegenden Räuber an Land und in der Luft. Zur Fortpflanzung kehrt die erwachsene Libelle zum Gewässer zurück, paart sich und legt Eier. Mit ihrem Ableben endet ihr individueller Lebenszyklus, während im Wasser die nächste Generation beginnt.
Was kannst Du von Libellen lernen?
Menschen und Libellen haben mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Beide nehmen ihre Umgebung vor allem über ihre Augen wahr, erkennen Bewegungen, orientieren sich im Raum und richten ihre Aufmerksamkeit auf relevante Reize. Wahrnehmung liefert dabei Informationen, auf die mit Bewegung und Verhalten reagiert werden kann.
Die Wahrnehmungswelt der Libelle unterscheidet sich gleichzeitig deutlich von unserer. Ihre großen Facettenaugen bestehen aus Tausenden Einzelaugen und können je nach Art auch ultraviolettes und polarisiertes Licht wahrnehmen. Ihre vier Flügel lassen sich weitgehend unabhängig steuern. Dadurch kann sie schweben, stark beschleunigen und äußerst schnell ihre Flugrichtung verändern. Beim Verfolgen von Beute verarbeitet sie visuelle Informationen innerhalb kürzester Zeit und passt ihren Flug vorausschauend an deren Bewegung an.
Für mich liegt genau darin die spannendste Verbindung: wahrnehmen, fokussieren und beweglich bleiben. Auf Dich übertragen kannst Du von Libellen lernen, aufmerksam wahrzunehmen, was um Dich herum geschieht, den eigenen Fokus bewusst zu wählen und gleichzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Ein klares Ziel und ein beweglicher Weg dorthin können sich dabei ergänzen.
Was entdeckst Du, wenn Du Deinen Blick über Deinen bisherigen Fokus hinaus erweiterst?
Positiver Impact entsteht durch Dein aktives Handeln

Für mich bedeutet Natur erleben auch, Verantwortung für das zu übernehmen, was ich dort hinterlasse. Mein Grundsatz ist einfach: Natur- und Tierwelt so hinterlassen, wie ich sie vorgefunden habe oder ein kleines Stück besser. Bei Libellen bedeutet verantwortungsvolles Handeln:
- Beobachte und fotografiere Libellen mit Abstand, lautlos und ohne Blitz.
- Gib ihnen Raum und lass ihnen die Entscheidung, wie nah sie Dir kommen.
- Respektiere Wasser-, Ufer-, Ruhe- und Schutzbereiche und bleibe auf vorgesehenen Wegen, wo dies erforderlich ist.
- Lass Pflanzen, Tiere und natürliche Strukturen an ihrem Platz. Sie gehören zum Lebensraum.
- Nimm Deinen Müll wieder mit. Findest Du herumliegenden Müll, kannst Du ihn mitnehmen und richtig entsorgen, wenn das sicher möglich ist.
- Verwende im eigenen Garten möglichst Methoden, die Insekten und Gewässer schützen.
- Ein naturnaher Gartenteich mit unterschiedlichen Wassertiefen und passenden heimischen Pflanzen kann Lebensraum für Libellen und andere Tiere schaffen.
- Unterstütze Projekte, die Gewässer, Feuchtgebiete und natürliche Lebensräume schützen oder wiederherstellen.
- Teile Deine Beobachtungen und Dein Wissen so, dass daraus Wertschätzung und Schutz entstehen. Bei sensiblen Arten und Lebensräumen gehört dazu auch, genaue Fundorte für Dich zu behalten.
Frage Dich selbst…

Fragen zur Reflexion öffnen Denkräume und laden Dich ein, innezuhalten. Sie verbinden Fühlen, Denken und Handeln im Hier und Jetzt. Nutze die Fragen als Einladung, als kleine Tür zu Dir selbst.
- Wo erlebst Du gerade eine Veränderung, bei der Dir Deine bisherigen Erfahrungen als Grundlage dienen können?
- In welchem Bereich Deines Lebens bist Du gerade wirklich in Deinem Element?
- Welches Umfeld gibt Deiner Entwicklung gerade den passenden Raum?
- Was verändert sich, wenn Du zuerst beobachtest und wahrnimmst, bevor Du handelst?
- Wie kannst Du einen Ort heute so verlassen, wie Du ihn vorgefunden hast oder ein kleines Stück besser?
Welche Erkenntnisperlen nimmst Du mit?

Alles was Du mitnimmst sind Deine Erkenntnisperlen. Sie zeigen sich, wenn etwas in Dir hängen bleibt. Ein Gefühl, ein Gedanke, ein innerer Satz. Etwas, das für Dich Bedeutung hat. Sie begleiten Dich über den Text hinaus.
- Libellen verbringen einen großen Teil ihres Lebens als Larven im Wasser und wechseln erst später in ein Leben an Land und in der Luft.
- Saubere Gewässer und vielfältige Uferbereiche sind wichtige Lebensräume für Libellen und viele weitere Arten.
- Libellen jagen andere Tiere, vor allem Insekten, und dienen zugleich anderen Tieren als Nahrung. Damit sind sie Teil verschiedener Nahrungsnetze im Wasser und an Land.
- Erfahrungen aus einer Lebensphase können die Grundlage für die nächste bilden.
- Aufmerksames Beobachten verändert, was Du wahrnimmst. Je langsamer Du wirst, desto mehr entdeckst Du.
- Natur zu erleben bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen: respektvoll beobachten und einen Ort so hinterlassen, wie Du ihn vorgefunden hast oder ein kleines Stück besser.
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Wissen in Bewegung
Dieser Blogartikel ist Teil eines lebendigen Erkenntnisprozesses. Er wurde mit Sorgfalt auf Basis von aktuellem Wissen, persönlichen Erfahrungen und sorgfältig ausgewählten Quellen erstellt und bleibt offen für Weiterentwicklung. Wissen ist nichts Starres, es lebt von Resonanz, Austausch und Perspektivwechsel. Wenn Dir Unklarheiten, Ergänzungen oder neue Blickwinkel auffallen, freue ich mich über Deinen Hinweis.
Weiterführende Informationen
- International Union for Conservation of Nature (IUCN), 2021. Grundlage für Gefährdungsstatus und Gefährdungsursachen. Die globale Bewertung umfasst 6.016 Libellen- und Kleinlibellenarten; 16% wurden als vom Aussterben bedroht eingestuft. Genannt werden insbesondere Verlust und Veränderung von Feuchtgebieten, Landwirtschaft, Urbanisierung, Verschmutzung und Klimawandel.
- IUCN Species Survival Commission, Dragonfly Specialist Group. Fachliche Ergänzung zum weltweiten Gefährdungsstatus von Libellen und Kleinlibellen sowie zur Bewertung nach den Kriterien der IUCN Red List.
- British Dragonfly Society. Grundlage für Lebenszyklus und Transformation: Ei → Larve/Nymphe → erwachsene Libelle, unvollständige Metamorphose ohne Puppenstadium, Entwicklung der Larve im Wasser und letzte Häutung außerhalb des Wassers.
- University of Florida, Institute of Food and Agricultural Sciences (UF/IFAS). Fachquelle zu Odonata, aquatischer Entwicklung, Lebensräumen, Ernährung, Häutungen und Übergang vom Wasser zum erwachsenen Tier. Die Quelle beschreibt neun bis 17 Häutungen vor dem Erwachsenenstadium.
- University of Florida, Entomology and Nematology Department. Grundlage für körperliche Vielfalt und Größe. Erwachsene Großlibellen werden dort mit etwa 2 bis 13,5 cm Körperlänge angegeben; außerdem werden ihre vielfältigen Körperfarben beschrieben.
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF) / Naturalis Biodiversity Center. Qualifizierte frei zugängliche Datengrundlage für Vorkommen und Verbreitung von Odonata in Südostasien, darunter Malaysia, Brunei, Indonesien, Timor-Leste, Papua-Neuguinea und die Salomonen. Relevant für die geografische Einordnung Deiner fotografierten Tiere.
